glaston taufen ihr Debütalbum «Inhale / Exhale» | Stadtkonzerte
glaston taufen ihr Debütalbum «Inhale / Exhale»
glaston taufen ihr Debütalbum «Inhale / Exhale»

Plattentaufen sind schnell erkennbar: Im Publikum stehen neben Freunden und Fans auch Mütter und Grossmütter, und Dankbarkeit liegt in der Luft. „Gestern haben wir unser Debüt veröffentlicht, das war der zweitwichtigste Tag unserer Bandgeschichte“, sagt Gitarrist Jake Gutzwiller nach ein paar Songs, „und heute, mit euch, ist der wichtigste!“ Die Geschichte von glaston, dem Post-Rock- Quartett aus Zürich und Basel, beginnt 2013, ein EP-Release folgt 2014, heute und drei Jahre später taufen sie ihr Debüt «Inhale / Exhale» im gut gefüllten Exil.

Zurückhaltendes Piano eröffnet das Set, Timo Beelers Bass mäandert durch die ersten Takte des Openers «Game of Tones». Mit dem Ein- und Ausatmen haben glaston eine Metapher für ihren Sound gesucht, der von Gegensätzen lebt: Leise und laut, schleppend und scheppernd, jazzig und akkurat - ohne Eines kein Anderes. Gefunden haben sie dabei auch die Momente dazwischen: David Preissels teasernde Offbeat-Drums, eine Gitarre, die sich durch den Scheinwerferdunst schneidet. Kein Abreissen ohne Aufbauen, kein Erlösen, ohne vorher hinzuhalten.

Vor der grossen glaston-Lunge hinten an der Wand erscheinen die vier MusikerInnen vorerst als Einzelkämpfer: Piano und Drums sind weit auseinander und seitlich platziert, Gitarre und Bass erscheinen als Lungenflügel der Band, spielen aber meist mit dem Rücken zueinander. Selina Maisch zeigt im Laufe des Sets, wie zartes Piano an Dominanz gewinnen kann, die Songs werden gegen Ende der Show dynamischer, pointierter - und glaston atmen bei einem Song, den sie am Abend zuvor zum ersten Mal geprobt haben, endlich zusammen ein und aus. Nach einer kurzen Ansprache, drei Schlücken Bier und keiner Champagnerdusche ist das Publikum unkonzentrierter, glaston hingegen spielen präziser, werden jazziger, verspielter - und zeigen, dass die Zusammenstellung eines Sets eine ebenso erwähnenswerte Kunst ist.

So schwierig Post-Rock generell zu beschreiben ist, so einfach ist sein Reiz an der Plattentaufe von glaston zu ergründen: Die Songs sind, auch wenn sie auf Anhieb nicht immer deutlich voneinander zu unterscheiden sind, in sich selbst maximal abwechslungsreich. Im Publikum bewegen sich die einen, als tanzten sie zu Kendrick Lamars «HUMBLE.», andere werfen ihren Kopf in Metal-Manier im Takt, während ihre Nachbarn steif stehen und nur den Bierbecher ab und zu ansetzen - die meisten aber haben die Augen geschlossen. Post-Rock, genauso bekannt wie belächelt für seine Lust an Metaphern - im Falle von glaston ist er an diesem Abend ein Atemzug voller Sauerstoff, der via Herz in den ganzen Körper gepumpt wird.

«Inhale / Exhale» ist am 6. Oktober 2017 erschienen

 

Tracklist

01 Game Of Tones
02 Levitating
03 Sunnar
04 Noir
05 This Isn’t Happening
06 Implosions And Her
07 Mariana Trench Skycrapers
08 Better Luck Next Time
09 Ritou
10 In The End

Montag, 09. Oktober 2017 | daniela